Zu den klügsten Tieren der Welt zählen Schimpanse, Delfin, Elefant, Rabenvögel, Oktopus, Graupapagei, Schwein, Hund, Ratte und Ameisenvölker. Gemessen wird Intelligenz an Werkzeuggebrauch, Selbsterkennung im Spiegel, Problemlösen und sozialem Lernen. Der Schimpanse liegt vorn, doch bei einzelnen Fähigkeiten schlagen ihn andere Arten deutlich.
Die 10 klügsten Tiere der Welt auf einen Blick
Eine Rangliste tierischer Intelligenz ist immer eine Vereinfachung, weil jede Art auf ihre eigene Umwelt optimiert ist. Ein Oktopus muss andere Probleme lösen als ein Elefant. Die folgende Reihenfolge orientiert sich daran, wie viele der anerkannten Intelligenzmerkmale eine Art erfüllt und wie gut das experimentell belegt ist.
| Platz | Tier | Herausragende Fähigkeit | Beleg |
|---|---|---|---|
| 1 | Schimpanse | Werkzeuggebrauch, Kultur, Zahlengedächtnis | Ayumu schlägt Menschen im Zahlenmerktest |
| 2 | Delfin | Selbsterkennung, Namen für Artgenossen | individuelle Signaturpfiffe, Spiegeltest bestanden |
| 3 | Elefant | Langzeitgedächtnis, Trauerverhalten | Spiegeltest bestanden, Reaktion auf Knochen Verstorbener |
| 4 | Rabenvögel | Werkzeugbau, Planen für die Zukunft | Krähe Betty bog Draht zum Haken |
| 5 | Oktopus | Problemlösen ohne Wirbelsäule | öffnet Schraubgläser, entkommt aus Becken |
| 6 | Graupapagei | Sprachverständnis, abstrakte Begriffe | Alex beherrschte etwa 100 Wörter und das Konzept Null |
| 7 | Schwein | abstraktes Denken, Spiegelnutzung | bediente in Versuchen einen Joystick am Bildschirm |
| 8 | Hund | Wortschatz, Menschenlesen | Border Collie Chaser kannte 1.022 Objektnamen |
| 9 | Ratte | Empathie, räumliches Lernen | befreit Artgenossen aus Fallen ohne eigenen Vorteil |
| 10 | Ameise | Schwarmintelligenz, Landwirtschaft | Blattschneiderameisen züchten Pilzkulturen |
Woran misst man Intelligenz bei Tieren?
Man kann einem Delfin keinen IQ-Test vorlegen. Die Verhaltensforschung arbeitet deshalb mit einer Handvoll Kriterien, die sich artübergreifend prüfen lassen.
- Selbsterkennung. Beim Spiegeltest wird dem Tier unbemerkt eine Markierung aufgetragen. Betastet es die Stelle am eigenen Körper statt am Spiegelbild, erkennt es sich selbst. Bestanden haben ihn bisher nur wenige Arten, darunter Menschenaffen, Delfine, asiatische Elefanten, Elstern und ein kleiner Putzerfisch.
- Werkzeuggebrauch. Nicht nur Nutzen, sondern Herstellen und Anpassen zählt als hohe Stufe.
- Vorausschauendes Planen. Handeln für einen Zustand, der noch nicht eingetreten ist, etwa Futter für später verstecken.
- Soziales Lernen. Techniken werden beobachtet, kopiert und über Generationen weitergegeben. Man spricht dann von Tierkultur.
- Problemlösen unter Neubedingungen. Eine Aufgabe lösen, die in der Natur so nie vorkommt.
Wichtig ist die Einschränkung: Wir messen mit menschlichen Maßstäben. Eine Zugvogelart, die ohne Karte 10.000 Kilometer navigiert, taucht in keinem dieser Tests auf und ist trotzdem zu etwas fähig, das kein Mensch ohne Technik hinbekommt.
Platz 1: Schimpanse
Unser nächster Verwandter teilt rund 98 Prozent des Erbguts mit uns, und das merkt man. Schimpansen bearbeiten Zweige zu Termitenangeln, zerschlagen Nüsse mit Stein und Amboss und geben diese Techniken innerhalb ihrer Gruppe weiter. Verschiedene Populationen entwickeln unterschiedliche Methoden, was Forschende als kulturelle Traditionen bezeichnen.
Besonders bemerkenswert ist der Schimpanse Ayumu aus einem japanischen Forschungsinstitut. In einem Test erscheinen Zahlen kurz auf einem Bildschirm und werden dann verdeckt. Ayumu tippt sie anschließend in der richtigen Reihenfolge an, bei Einblendzeiten, bei denen erwachsene Menschen deutlich schlechter abschneiden. Sein fotografisches Kurzzeitgedächtnis übertrifft unseres.
Platz 2: Delfin
Delfine haben im Verhältnis zum Körper eines der größten Gehirne im Tierreich. Sie bestehen den Spiegeltest, jagen in abgestimmten Gruppen und geben Techniken weiter. In der Shark Bay in Australien stülpen sich manche Delfine einen Meeresschwamm über die Schnauze, um damit geschützt im rauen Meeresboden nach Fischen zu stochern. Diese Technik wird von der Mutter an die Töchter vererbt, nicht genetisch, sondern durch Zuschauen.
Am spannendsten sind die Signaturpfiffe. Jeder Delfin entwickelt in den ersten Lebensmonaten einen individuellen Pfiff, der wie ein Name funktioniert. Artgenossen ahmen diesen Pfiff nach, um ein bestimmtes Tier zu rufen. Damit gehören Delfine zu den wenigen Arten, bei denen so etwas wie Eigennamen nachgewiesen ist.
Platz 3: Elefant
Elefanten haben das größte Gehirn aller Landtiere und ein Gedächtnis, das dem Sprichwort tatsächlich gerecht wird. Alte Leitkühe erinnern sich an Wasserstellen, die Jahrzehnte zurückliegen, und führen ihre Herde in Dürrezeiten dorthin. Genau dieses Wissen macht ältere Tiere für das Überleben der Gruppe unersetzlich.
Asiatische Elefanten bestehen den Spiegeltest. Auffällig ist auch ihr Verhalten gegenüber Toten: Sie bleiben bei Kadavern von Artgenossen stehen, betasten die Knochen mit dem Rüssel und kehren teils über Jahre an dieselbe Stelle zurück. Ob man das Trauer nennen darf, ist umstritten, aber es unterscheidet sich klar vom Umgang mit Knochen anderer Arten.
Platz 4: Rabenvögel
Krähen, Raben und Elstern haben zwar keine Großhirnrinde wie Säugetiere, dafür aber eine extrem dicht gepackte Nervenzellstruktur. Das Ergebnis ist erstaunlich: Neukaledonische Krähen fertigen Haken aus Zweigen, wählen das passende Werkzeug für die jeweilige Aufgabe und lösen mehrstufige Rätsel, bei denen erst Werkzeug A geholt werden muss, um an Werkzeug B zu kommen.
Berühmt wurde die Krähe Betty, die in einem Versuch in Oxford spontan einen geraden Draht zu einem Haken bog, um damit einen Eimer aus einer Röhre zu ziehen. Diese Aufgabe hatte sie nie zuvor gesehen. Rabenvögel merken sich außerdem einzelne Menschengesichter über Jahre und geben Warnungen vor bestimmten Personen an ihre Gruppe weiter.
Platz 5: Oktopus
Der Oktopus ist der Sonderfall in dieser Liste, weil er evolutionär extrem weit von uns entfernt ist. Sein Nervensystem ist dezentral aufgebaut, ein großer Teil der rund 500 Millionen Nervenzellen sitzt in den Armen. Jeder Arm kann bis zu einem gewissen Grad eigenständig handeln.
Trotzdem, oder gerade deswegen, lösen Oktopusse verblüffende Aufgaben: Sie öffnen Schraubgläser von innen und außen, tragen Kokosnussschalen als transportablen Unterschlupf mit sich herum und sind notorische Ausbrecher. Der wohl bekannteste Fall ist ein Oktopus aus einem neuseeländischen Aquarium, der 2016 nachts durch einen Spalt im Beckendeckel kletterte, über den Boden zu einem Abflussrohr wanderte und darüber ins offene Meer entkam.
Platz 6: Graupapagei
Papageien plappern nicht nur, sie verstehen zumindest teilweise, was sie sagen. Der Graupapagei Alex arbeitete über 30 Jahre mit der Forscherin Irene Pepperberg zusammen. Er beherrschte rund 100 Wörter, konnte Objekte nach Farbe, Form und Material unterscheiden und beantwortete Fragen wie „welche Farbe hat der größere Block“. Er erfasste Mengen bis etwa sechs und entwickelte offenbar ein Verständnis für die Abwesenheit von Dingen, also für das Konzept Null.
Damit erreichte Alex kognitiv etwa das Niveau eines fünfjährigen Kindes, bei einem Gehirn von der Größe einer Walnuss.
Platz 7: Schwein
Das am stärksten unterschätzte Tier der Liste. Schweine schneiden in Kognitionstests regelmäßig besser ab als Hunde. Sie lernen ihren Namen, erkennen einzelne Menschen wieder und nutzen Spiegel zweckgerichtet: Sieht ein Schwein im Spiegel einen Futternapf, der hinter einer Wand steht, dreht es sich um und läuft direkt zum echten Napf, statt hinter den Spiegel zu gehen.
In Versuchsreihen lernten Schweine sogar, mit dem Rüssel einen Joystick zu bedienen und damit einen Cursor auf Zielfelder am Bildschirm zu steuern. Das setzt voraus, dass sie die Verbindung zwischen ihrer Bewegung und dem abstrakten Geschehen auf dem Monitor begreifen. Sozial sind sie ebenfalls raffiniert: Rangniedrige Tiere folgen ranghöheren zu Futterverstecken und bedienen sich, sobald die Gelegenheit passt.
Platz 8: Hund
Hunde sind keine Rekordhalter im abstrakten Denken, dafür Weltmeister im Lesen von Menschen. Sie folgen unserem Blick und Zeigefinger, was selbst Schimpansen schwerfällt, und erkennen an Tonfall und Mimik unsere Stimmung. Diese Fähigkeit ist das Ergebnis von etwa 15.000 Jahren gemeinsamer Geschichte.
Die Obergrenze zeigte der Border Collie Chaser: Er lernte die Namen von 1.022 einzelnen Spielzeugen und holte sie auf Zuruf. Legte man ihm ein unbekanntes Objekt zwischen bekannte und nannte einen neuen Namen, wählte er das unbekannte aus, also per Ausschluss. Genau diese Lernstrategie nutzen auch Kleinkinder beim Spracherwerb.
Übrigens ist auch Gähnen zwischen Hund und Mensch ansteckend, was als Hinweis auf Empathie gilt. Warum dieser Reflex überhaupt existiert, steht im Beitrag darüber, warum man eigentlich gähnt.
Platz 9: Ratte
Ratten haben ein ausgezeichnetes räumliches Gedächtnis und lernen komplexe Labyrinthe in wenigen Durchgängen. Interessanter ist aber ihr Sozialverhalten. In Experimenten öffneten Ratten wiederholt einen Behälter, in dem ein Artgenosse festsaß, obwohl sie davon keinen Vorteil hatten. Bot man ihnen gleichzeitig Schokolade an, befreiten viele erst den Gefährten und teilten anschließend.
Dazu kommt eine Fähigkeit, die man Metakognition nennt: Ratten können einschätzen, ob sie eine Aufgabe lösen werden, und verweigern schwierige Durchgänge lieber, statt zu raten. Sie wissen also in gewissem Maß, was sie nicht wissen.
Platz 10: Ameise
Eine einzelne Ameise ist nicht klug. Ein Ameisenstaat schon. Diese Form von Intelligenz entsteht nicht im Kopf eines Individuums, sondern aus dem Zusammenspiel vieler einfacher Regeln, und Informatiker haben davon Optimierungsverfahren abgeschaut.
Blattschneiderameisen betreiben Landwirtschaft: Sie tragen Blattstücke ein, die sie nicht fressen, sondern als Nährboden für einen Pilz nutzen, den sie züchten, düngen und von Schädlingen freihalten. Andere Arten halten Blattläuse wie Nutzvieh und melken sie. Wie zentral Insekten für das ganze System sind, steht im Beitrag über Insekten im Ökosystem.
Was in der Liste fehlt und warum
Ein paar Arten tauchen in solchen Ranglisten regelmäßig auf, gehören aber bei genauer Betrachtung woanders hin:
- Katzen sind nicht dümmer als Hunde, sie kooperieren nur schlechter mit Versuchsleitern. Das macht sie schwer messbar, nicht unintelligent.
- Orang-Utans wären eigentlich ein Platz-1-Kandidat, sie gelten als die geduldigsten Werkzeugbauer unter den Menschenaffen. Sie fallen hier nur unter die Kategorie Menschenaffen.
- Bienen können abstrakte Konzepte wie „größer als“ und sogar Null verstehen und einander per Tanz Richtungen mitteilen. Bei den Insekten sind sie mindestens auf Augenhöhe mit den Ameisen.
- Putzerlippfische haben den Spiegeltest bestanden, was die ganze Aussagekraft dieses Tests in eine Debatte gestürzt hat.
Häufige Fragen zu tierischer Intelligenz
Welches Tier ist das klügste der Welt?
Nach der Gesamtzahl belegter Fähigkeiten der Schimpanse. Bei einzelnen Disziplinen führen andere: Im Kurzzeitgedächtnis für Zahlen schlägt er allerdings selbst den Menschen, im Wortschatz liegt der Graupapagei vorn, im Problemlösen ohne Vorwissen die Krähe.
Sind Schweine wirklich klüger als Hunde?
In Tests zu abstraktem Denken und Problemlösen ja. Hunde sind Schweinen dafür im Verstehen menschlicher Signale klar überlegen. Es sind zwei verschiedene Arten von Intelligenz, nicht zwei Stufen derselben.
Was ist der Spiegeltest?
Dem Tier wird unbemerkt eine Markierung an einer Stelle angebracht, die es nur im Spiegel sehen kann. Berührt es daraufhin die Markierung am eigenen Körper, gilt das als Hinweis auf Selbsterkennung. Bestanden haben ihn Menschenaffen, Delfine, asiatische Elefanten, Elstern und ein Putzerfisch.
Können Tiere planen?
Ja, mehrere Arten nachweislich. Rabenvögel legen Vorräte an und merken sich, welcher Artgenosse beim Verstecken zugesehen hat. Manche Menschenaffen bereiten Werkzeuge vor, bevor sie zum Einsatzort gehen.
Warum sind Oktopusse so intelligent, obwohl sie keine Wirbeltiere sind?
Weil Intelligenz mehrfach unabhängig entstanden ist. Der Oktopus hat einen völlig anderen Bauplan mit dezentralem Nervensystem und rund 500 Millionen Nervenzellen, von denen viele in den Armen sitzen. Er löst dieselben Probleme auf einem anderen Weg.
Was das Ranking eigentlich zeigt
Die interessanteste Erkenntnis steckt nicht in der Reihenfolge, sondern darin, wie unterschiedlich die Wege sind. Ein Vogel ohne Großhirnrinde baut Werkzeuge, ein Weichtier ohne Skelett öffnet Schraubgläser, ein Insektenstaat betreibt Landwirtschaft, ohne dass ein einziges Tier darin einen Plan hätte. Intelligenz ist offenbar keine Leiter, auf der der Mensch oben steht, sondern eher ein Fächer aus Lösungen für ganz verschiedene Probleme.
















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